Amtsgericht

Geschichte und Entwicklung des Amtsgerichts Moers
 

Durch die Reichsjustizgesetze des Jahres 1877 wurde eine einheitliche Regelung der Gerichtsverfassung, des Zivilprozesses, des Strafprozesses und des Konkursverfahrens für das deutsche Reich unter Einrichtung von Amtsgerichten, Landgerichten, Oberlandesgerichten und Reichsgericht herbeigeführt. Durch dieses Gesetz wurde der bisher einzelstaatliche Gerichtsaufbau durch den im Wesentlichen heute noch gültigen Gerichtsaufbau ersetzt.

Moers wurde hierdurch Sitz eines Amtsgerichts.

Als Dienstraum des neuen Amtsgerichts wurde das obere Stockwerk des Stadthauses in Moers angemietet. Dieses bestand aus sieben Zimmern, nämlich dem Sitzungssaal des bisherigen Friedensgerichts, den beiden daneben gelegenen, bisher zur Friedensgerichtsschreiberei benutzten Zimmern, nebst den gegenüberliegenden 3 Zimmern, welche bisher von dem Bürgermeisteramt benutzt worden waren und dem über dem Tor des Rathausturmes gelegenen Turmzimmer. Diese Räume wurden auf 5 Jahre, vom 01. Oktober 1879 ab, für 300 Mark jährlich angemietet.

Wegen der Zunahme der Geschäfte bezog das Amtsgericht am 17. August 1897 einen Neubau an der Uerdinger Straße. Mit der am Anfang des 20. Jahrhunderts einsetzenden Entwicklung der Industrie in der Grafschaft Moers wuchsen auch die Geschäfte des Amtsgerichts Moers derartig, dass das im Jahre 1897 nur für zwei Richter erbaute Gebäude an der Uerdinger Straße nicht mehr ausreichte und mehrere Privathäuser zur Aufnahme von Geschäftsräumen angemietet werden mussten. Für die Errichtung eines Neubaues wurden die Pfarrgärten der evangelischen Gemeinde gewählt. Da das Grundstück ohne Verbindung mit den benachbarten Straßen war, musste es durch Anlage neuer Straßenzüge erschlossen werden. Hierzu zählt auch der Neubau einer Brücke über den Stadtgraben zur Uerdinger Straße.

Auf einer 5300 qm großen Fläche konnte nun mit dem Neubau begonnen werden. Nach Probebohrungen stellte sich heraus, dass sich unter dem angeschütteten Gelände teils starke Schlammschichten, teils eine stark wasserführende Letteschicht befand und erst in 4 - 6 m Tiefe eine tragfähige Kiesschicht anstand. Nach eingehenden Ermittlungen und Berechnungen ergab sich, dass eine Gründung mittels Eisenbetonpfählen, auf denen die ebenfalls in Beton mit Eiseneinlagen eingestampften Fundamente ruhen, am günstigsten und wirtschaftlichsten war und die beste Gewähr für die Standsicherheit des Gebäudes bot. Mitte Juni 1911 konnte mit dem Rammen der Pfähle begonnen werden, nachdem diese vorher auf der Baustelle hergestellt waren. Es wurden im ganzen 797 Pfähle von zwei Dampframmen gerammt und die gesamte Gründung bis Mitte September fertiggestellt.Im Juni 1913 wurde das Gebäude fertiggestellt.

Das Gebäude gliedert sich in das Gerichtsgebäude, das Gefängnis und das Beamtenwohnhaus. Schon damals befand sich, wie auch heute, im Erdgeschoss das Grundbuchamt, die Gerichtskasse (heute Gerichtszahlstelle), die Botenmeisterei (heute Wachtmeisterei) sowie die Wohnung des Pförtners (heute Hausmeister). Im ersten Stockwerk befand sich der Schöffensaal, die Abteilungen für Straf- und Vormundschaftssachen sowie Räume für die Bibliothek. Im zweiten Obergeschoss waren die Räume für die Zivilprozessabteilungen sowie Kanzleien. Bei der Gestaltung der Außenansichten des Gebäudes wurde auf die landschaftlich reizvolle Lage durch eine malerische Gruppierung der Bauteile Rücksicht genommen. Die Architektur schließt sich durch Verwendung von gesandeten Handstrichverblendern an die früher am Niederrhein übliche Bauweise an. Zu der roten Farbe der Ziegelsteine und den weißen Fugen bildet der gelbliche Ton des Pfälzer Sandsteines der Architekturteile des Trachitsockels einen wirkungsvollen Gegensatz. Nur die Giebel und das Portal haben bildhauerischen Schmuck erhalten, dessen Formen sich an holländische Vorbilder anlehnen. Eine von der Stadt Moers gestiftete Figurengruppe stellt Putten mit den Emblemen der Gerichtsbarkeit dar.

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