Moerser Ansichten 2018

Mit den „Moerser Ansichten 2018“ bringt der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e.V. (GMGV) bereits den vierten historischen Kalender heraus. Auf zwölf Monatsmotiven finden sich historische Orte zwischen Altstadt und Neustadt, dem Moerser Schloss und dem Schlosspark.
Ermöglicht wurde der Kalender durch Vereinsmitglied Gregor Boese, dem stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Wilfried Scholten,
Schatzmeister Frank Heinrich und dem Moerser Stadtarchiv.
Neben dem optischen Eindrücken erfährt der Leser der „Moerser Ansichten 2018“ durch die Erläuterungen von  Dr. Wilfried Scholten, Informationen zur Geschichte der Monatsmotive.





Erläuterungen zu den Monatsmotiven:

Januar:NEUMARKT
Im Bau der Homoöpathischen Apotheke (Adlerapotheke) kündigte sich 1905 der durch den Bergbau ausgelöste Wandel des Stadtbildes an. Bis zur Ausschreibung des Wettbewerbs zur Neugestaltung des Neumarkts (1913) war es „ein glückliches Geschick“, dass es nur eines von zwei Gebäuden war, die Regierungsbaumeister Schmidhäußler befürchten ließen, dass der Neumarkt eine „Ausstellung scheußlicher Gebäude“ erhalten werde. Unberührt davon blieben bis dahin die Wirtschaft, die Eberhard Fehmers seit 1900
bewirtschaftete, und das Denkmal des Preußenkönigs Friedrich I. von 1902.

Februar: ALTMARKT
Seit 1841 erfreut sich der Wochenmarkt dienstags und freitags großer Beliebtheit.1905 hatte er an einem Dienstag 9.241 Besucher, 217 Fuhrwerke wurden gezählt. Die Häuser an der Steinstraße haben sich seit Beginn des Bergbaus äußerlich kaum verändert. Die Löwenapotheke neben dem Hutgeschäft von Johann Martin Lechner (gegr.1868) wurde 1798 im ehemaligen Gästehaus der Grafen von Moers von Johann Wittfeld eröffnet. Sie war die zweite Apotheke in Moers. Seit 1891 ist sie im Besitz der Familie Heuer. Kaiser’s Kaffee-Geschäft war 1908 nur für kurze Zeit hier untergebracht.

März: DER „GRAFSCHAFTER“
Ein Menschenauflauf vor dem Verlagshaus des „Grafschafter“ im Kriegsjahr 1915. Die Nachricht, die für Aufregung sorgte, kennen wir leider nicht. – 1881 hatte J.G. Eckner die Geschäftsräume des „Grafschafter“ nach Auszug der Posthaltestelle in die Steinstraße 20 verlegt. Das von F. L. Zahn 1846 gegründete national-konservative Blatt war die wichtigste Zeitung in Moers, deren Herausgabe 1906 G. Pannen übernahm. Seine Buchhandlung gegenüber dem Hotel-Restaurant Leisten und dem 1911 eröffneten Schuhgeschäft Rosenberg besaß eine ausgezeichnete Geschäftslage.
 
Mai: EINE TIERSCHAU
1905 in der Klosterstraße/ Ecke Haagstraße: Eine Schautruppe aus dem Balkan zieht unter Trommelwirbel mit Schlagkarre und exotischen Tieren durch Moers, erregt Aufsehen bei Jung und Alt. Trampeltier, Grauesel, Braunbär, ein verkleideter Schimpanse auf einem Pony werden vorgestellt und führen kleine Kunststücke vor. – „Wilde Tiere“
konnte man schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts bestaunen, nicht nur zur Kirmes oder im Zirkus, sondern auch in „Menagerien“, wenn sie in Moers für kurze Zeit Halt machten und Tierbändiger in den „Behältern“ Raubtiere fütterten.

Juli: STEINSTRASSE
Schon während der Teufarbeiten am Schacht IV in Hochstraß begann in der Steinstraße der Bauboom. Der „Grafschafter“ schrieb 1906: „Der Umbau der beiden einzigen Häuser der Steinstraße, in denen sich bisher noch keine öffentlichen Geschäfte befinden, schreitet rüstig voran“. Zu den ersten Geschäftshäusern zählte das Kaufhaus von Josef
Leyser, ein imponierender Eckbau mit drei Verkaufsetagen, der 1904 nach einjähriger
Bauzeit eröffnet wurde. Zwischen 1915 und 1926 zwängten sich Wagen von drei Straßenbahnlinien und zwei Kohlenzügen durch die Hauptgeschäftsstraße.