Flucht vom Niederrhein 1933 - 1945

Flucht vom Niederrhein 1933 - 1945
Bild: © Verein Neue Geschichte im Alten Landratsamt
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Die Heimat verlassen, da im eigenen Land der Terror herrscht: Zwischen 1933 und 1945 war die Flucht ins Ausland für Verfolgte des Naziregimes oft die einzige Chance, Unterdrückung, Gewalt, Folter und Tod zu entgehen. Manche flüchteten zunächst in die benachbarten Niederlande, nach Frankreich oder Italien, doch auch dort waren sie nicht auf Dauer sicher.

Viele jüdische Bürger von Moers realisierten erst spät, dass nur eine Flucht sie retten konnte. Anders Gertrud Riolo, geb. Windmüller: die zwanzigjährige Medizinstudentin floh bereits im Herbst 1933 nach Italien, doch auch dort musste sie sich später verstecken. Von 1943 bis 1945 schrieb sie Briefe an ihre Mutter, die sie nicht abschicken konnte, da der Kontakt zu den Eltern abgebrochen war. „Liebe Mutter, heute hat das englische Radio (BBC) mitgeteilt, dass englisch-amerikanische Truppen in Moers einmarschiert sind. Ich kann mir vorstellen, wie sie durch die Steinstraße marschieren, und im Geist sehe ich ihre Fahne auf dem Rathaus.“  Die Briefe erreichten die Eltern nie, sie wurden in Ausschwitz ermordet.

Der vierzehnjährige Werner Coppel und der siebzehnjährige Günther Bähr setzten ihre Hoffnungen auf eine Ausreise nach Palästina. In der „Hachschara-Stätte“ in Ahrensdorf in Brandenburg absolvierten sie eine von dem jüdischen Pfadfinderbund „Makkabi Hazair“ organisierte Ausbildung auf landwirtschaftlichen Gütern, die sie auf ein Leben in Palästina vorbereiten sollte. Doch weder Werner Coppel noch Günther Bähr erreichten Palästina.

Auch politisch Aktive waren in Deutschland nach 1933 nicht mehr sicher: Der arbeitslose Bergmann und KPD-Aktivist Max Langusch beispielsweise floh im Mai 1935 nach Amsterdam. Von den Niederlanden aus versuchte er, weiter gegen das Naziregime zu arbeiten und nahm als Delegierter sogar an einer Konferenz in Moskau teil. Als er 1936 versuchte, wieder illegal in die Niederlande einzureisen, wurde er nach Belgien abgeschoben. Auch hier blieb er politisch aktiv, bis er im September 1939 von der belgischen Polizei verhaftet und wenige Monate später in die Niederlande gebracht und dort inhaftiert wurde. Nach der Besetzung der Niederlande durch die deutsche Wehrmacht wurde er 1940 der Gestapo übergeben.

Gertrud Lemmnitz, geb. Pusch, war ebenfalls in der KPD aktiv. Durch einen Gestapo-Spitzel verraten, kam sie in „Schutzhaft“. Nach ihrer vorläufigen Freilassung entschloss sie sich zur Flucht in die Niederlande. Dort lebte sie als politischer Flüchtling zunächst in der Illegalität. Der niederländische Pass, den sie später erhielt, wurde ihr zum Verhängnis, als die deutsche Wehrmacht in den Niederlanden einmarschierte.

Was wurde aus den Menschen, die in ihrer Heimat keine Überlebensperspektive hatten? Die Ausstellung geht einzelnen Schicksalen nach.